| Dr. med. Hubert Gerster | |
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Die Osteopathische Medizin erlebte ihre Renaissance Anfang des 19. Jahrhunderts in England. Um 1850 fand die Osteopathie auch in den Vereinigten Staaten Interesse und wurde in der Folgezeit wissenschaftlichen Kriterien unterzogen.
Der Begriff leitet sich von Osteo -der Knochen- und Pathos -das Leiden- ab.
In der Osteopathie wurde zunächst der Beschaffenheit und den Veränderungen der Gelenkstrukturen sowie der Wirbelsäule eine zentrale Bedeutung mit Auswirkungen auf Erkrankungen des Halte- und Bewegungsapparates, aber auch in Bezug auf Erkrankungen der inneren Organe und des Immunsystems zugeordnet.
Im Laufe der Zeit hat sich aus der Verwurzelung des „Knochensetzens“ der Osteopathie eine allumfassende dezente Manuelle Medizin mit Integration verschiedener Behandlungsmethoden entwickelt. Der Organismus wird als eine Einheit, als ein in sich geschlossenes und in sich greifendes System mit Körper, Geist und Seele gesehen, deren Komponenten in Wechselbeziehung stehen und sich gegenseitig beeinflussen.
Die osteopathische Kunst besteht darin, den Körper mit seinen veränderten Strukturen sowie das Wesen, welches diesem innewohnt, komplex in seiner Ausgangssituation zu empfinden sowie zu erfühlen und ganzheitlich wieder in seinen natürlichen Entwicklungszyklus zu bringen.
Das Fliessen von Energie und die jedem Organ eigene Atmung, unabhängig von der Lungenatmung, bestimmen das Leben. Hierzu gehört auch die wechselseitige rhythmische Eigendynamik im Verlauf von Kopf/Gehirn (Cranium) und Rückenmark bis zum Kreuzbein (Sakrum). Diese hat maßgebende Auswirkung auf die Funktion sämtlicher nervalen Steuerungsmechanismen und ist zudem vergleichbar mit dem Bestreben der gleichmäßigen Atmung im ganzheitlichen Sinne. Durch die Harmonisierung dieses bedeutenden zentralen Regulationssystems in seinem sogenannten Craniosakralen Rhythmus, welcher die Basis der Craniosakralen Therapie bildet, kann auf vielschichtige Erkrankungen und physiologische Entwicklungsprozesse Einfluss genommen werden.

Der Beschaffenheit des Übergangs von Kopf und 1. Halswirbelkörper (Atlas) und der Beweglichkeit im dazwischenliegenden Kopfgelenk sowie der Position des Atlas zur Umgebung kommt unter entwicklungsphysiologischen Aspekten eine zentrale Bedeutung zu. Die Eigenart dieser Region mit ihren mannigfaltigen Sensoren und Verknüpfungen zum Gehirn nimmt fundamentalen Einfluss auf jegliche Art von Entwicklung beim Säugling bis zum Jugendlichen, sowohl auf motorischer, geistiger als auch psychischer Ebene. Ebenso werden die Funktion der inneren Organe und des Immunsystems durch die Intaktheit dieses Knotenpunkts bestimmt.
Die im Bereich der Säuglings- und Kinderosteopathie erfolgreich eingesetzte Atlastherapie nach Arlen beinhaltet einen gezielt eingesetzten ultrafeinen Impuls im Bereich des 1. Halswirbelkörpers ohne manipulative Komponente. Dadurch wird ein Lösen der umgebenden Gewebsstrukturen initialisiert, der ursprünglich in Fehlstellung zum Kopf fixierte Atlas wird freigegeben. Bedeutend ist, dass die zuvor in Mitleidenschaft gezogene Kommunikation der einzelnen funktionellen Hirnzentren nun ermöglicht wird. Gleichzeitig werden ursprünglich blockierte neurologische Regulationsmechanismen zwischen Gehirn und Rückenmark, mit Verbindungen zum gesamten Bewegungsapparat sowie zu den inneren Organen, freigeschaltet. Die Wahrnehmungsfähigkeit wird normalisiert als unabdingbare Voraussetzung für eine reguläre Auseinandersetzung des Kindes mit sich und der Umgebung und damit für sämtliche Entwicklungsprozesse bis hin zur Strukturierung der Persönlichkeit.
Häufig wird die Atlasblockade von einer Blockade des Kreuzdarmbeingelenks
begleitet, welche als Regulationshindernis unbedingt erkannt und mitbehandelt werden muss.
Durch eine osteopathisch ausgerichtete Früherkennungsuntersuchung direkt nach der Geburt, nach ¼ und ½ Jahr lassen sich für den erfahrenen Säuglings- und Kinderosteopathen vorhandene Probleme, welche häufig als normale Verzögerungen und Varianten abgetan werden, sowie Erkrankungsbereitschaften rechtzeitig erkennen und in dieser Phase meist durch wenige osteopathische Behandlungen natürlich und ganzheitlich einregulieren. Schwerwiegende Folgen für die Säuglinge und Kinder können dadurch vermieden werden. Mehr als die Hälfte der Säuglinge weist Grundbelastungen auf.
Besonders nach einem komplizierten Geburtsverlauf, mit welchem neben den körperlichen Auswirkungen auf Kopf- und Halswirbelsäule auch tiefgreifende psychische Belastungen verbunden sind, ist eine ausgleichende osteopathische Therapie unerlässlich. Im Erwachsenenalter spiegeln sich allzu häufig Grundstörungen aus der Säuglingszeit auf körperlicher, mentaler und psychischer Ebene wieder.

Auch für die Mütter ist nach einer erschwerten und erschöpfenden Schwangerschaft eine osteopathische Basisbehandlung eine Quelle für neue Energie. Diese Aufrichtung wird auch zum notwendigen Halt für ihr Kind.
Im Vordergrund für die Säuglings- und Kinderosteopathie stehen Erkrankungen im Bereich der Wahrnehmung und Entwicklung im Sinne einer Sensomotorischen Störung, aber auch Begleitirritationen des Immunsystems und der inneren Organe.
Durch eine osteopathische Therapie werden optimale Voraussetzungen für eine Gesundung über die jedem Körper innewohnenden Selbstheilungskräfte geschaffen.
Die Aspekte dieser Heilform, durch Wahrnehmung und mit Unterstützung der Hände den Zustand des Organismus zu erfassen und zu behandeln, gibt es schon seit Menschengedenken in den verschiedensten Kulturen.
Wir verstehen sie als Osteopathie.
Osteopathisch behandelte Säuglinge und Kleinkinder zeigen eine harmonische Grundverfassung mit einer natürlichen Ausstrahlung, Lebensfreude und Zufriedenheit.
Sie sind in Balance.
Haupt-Indikationen für die Osteopathische Therapie
- Harmonisierende Behandlung bei Frühgeburten, nach Kaiserschnitt
und kompliziertem Geburtsvorgang zur Einleitung einer regulären
Entwicklung - Anhaltender Neugeborenenikterus (Gelbsucht)
- Gedeihstörung
- Bauchkrämpfe, 3-Monatskoliken, Obstipation, Durchfall
- Unruhige Säuglinge, „Schreikinder“
- Überstreckungstendenzen
- Erhöhter und erniedrigter Muskeltonus
- Ungewöhnliche Bewegungsmuster
- Schädelasymmetrie
- Fehlhaltung des Kopfes
- Schiefhals
- Schielen
- Kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung (KISS-Syndrom)
- Ungleiche Entwicklung von Ober- und Unterkiefer, Bissanomalie
- Fehlhaltung der Wirbelsäule (Skoliose)
- Beinlängendifferenz
- Sämtliche Entwicklungsstörungen mit Ausbleiben oder Verzögerung
einzelner Entwicklungsschritte auf motorischer und geistiger
Ebene - Frühkindliche Bewegungsstörungen
- Koordinationsstörung
- Gangstörung
- Wahrnehmungsstörung
- Konzentrationsstörung
- Lernschwäche (Lesen, Schreiben, Rechnen)
- Sprachstörung, Stottern
- Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS)
- Medikamentenentwöhnung von Methylphenidat aus der Gruppe
der Amphetamine - Auffälligkeit nach Impfungen, u. a. Schwäche, Unruhe,
Wesensänderung - Angstzustände
- Infektanfälligkeit
- Asthma bronchiale
- Spastik
- Unterstützende Therapie bei Infantiler Zerebralparese
- Unterstützende Therapie allgemein bei hirnorganischen Veränderungen
(u.a. nach Encephalitis, bei Hydrozephalus, Missbildungen) - Unterstützende Therapie bei Epilepsie
Sämtliche aufgeführten Behandlungsindikationen sind durch umfangreiche Erfahrungen untermauert.